60 Jahre ATV NRW

In diesem Jahr wird der Amateurtheater-Verband Nordrhein-Westfalen e.V. 60 Jahre alt!

Er ist somit nur sieben Jahre jünger als die Bundesrepublik Deutschland. Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, doch trotz aller aufgetretenen Schwierigkeiten hat der ATV NRW einen guten Stand und vertritt mittlerweile rund 170 Amateurbühnen in NRW. Das ist (grob geschätzt) etwa die Hälfte aller Amateurbühnen in NRW, die Jahr für Jahr regelmäßig spielen und mehr als nur zwei oder drei Aufführungen pro Stück machen. Die meisten Bühnen sind als gemeinnütziger e. V. organisiert.

Im Gegensatz zum Berufstheater haben die Amateure eine sehr viel größere Spannbreite:

  1. Theater mit behinderten Spielern ist seit Jahrzehnten gelebte Inklusion.
  2. Theater von Kindern für Kinder gespielt wäre im Profibereich gar nicht möglich.
  3. Im Seniorentheater wird nicht nur für ein gleichaltriges Publikum gespielt.
  4. Soziale und gesellschaftliche Randgruppen finden durch Theaterspiel Halt und Anerkennung und können ihre spezielle Problematik verarbeiten und öffentlich machen.
  5. Immigranten, Flüchtlinge, Asylanten werden (nicht erst seit Neuestem!) gern aufgenommen und erfolgreich integriert.
  6. Unsere Bühnen bieten vom bekannten Klassiker über Boulevardkomödie und Volksstück bis zum Experimentalstück alles, was es in der Theaterlandschaft gibt, nicht selten in ausgesprochen sehenswerten, ungewöhnlichen Inszenierungen, deren Qualität manches Profitheater in den Schatten stellt.
  7. Das Mundarttheater lebt fast nur noch auf den Amateurbühnen weiter, Volkstheater beschränkt sich im Profibereich auf immer weniger Bühnen.
  8. In ländlich strukturierten Gegenden sind die Amateurbühnen häufig die einzigen Theater in zumutbarer Entfernung, noch dazu mit annehmbaren Eintrittspreisen.
  9. Amateuraufführungen sind nämlich ausgesprochen preiswert! Die Eintrittskarten der Profibühnen kosten – trotz staatlicher Subventionen – meist drei bis vier Mal so viel.

Das Bild der professionellen Theaterlandschaft in Deutschland wird wesentlich durch die rund 140 öffentlich getragenen Theater bestimmt, also durch Stadttheater, Staatstheater und Landesbühnen. Hinzu kommen rund 200 Privattheater und um die 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus. Das ergibt rund 440 professionelle Theaterensembles.

Nur die im BDAT organisierten Amateurbühnen umfassen rund 2.400 Theaterensembles, die tatsächliche Zahl aller regelmäßig spielenden Bühnen wird vermutlich doppelt so hoch sein.

Rund 35 Millionen Zuschauer aller Altersgruppen besuchen in Deutschland Jahr für Jahr gut 100.000 Theateraufführungen der Profitheater, wo jede Bühne im Durchschnitt pro Jahr mit etwa 15 Inszenierungen rund 230 Aufführungen macht.

Den ca. 6 ½ Tausend Profiinszenierungen im Sprech- und Musiktheater steht eine etwas höhere Anzahl Amateurtheaterinszenierungen gegenüber. Erstaunlicherweise wird also mehr als die Hälfte der Theaterlandschaft Deutschlands vom Amateurbereich gestaltet. Dies ist in NRW nicht anders.

Zwar sind – vor allem bedingt durch Film, Fernsehen und Multimedia – die Besucherzahlen aller Theater in den letzten 30 Jahren deutlich zurückgegangen. Die Zahlen belegen aber dennoch das nach wie vor große Interesse an Theater und machen deutlich, dass die Bürger ihre Profi- wie Amateur-Theater als öffentlichen Denk- und Erlebnisraum, als Ort direkter Kommunikation, als Teil des öffentlichen Diskurses und somit als unverzichtbaren Bestandteil kultureller Lebensqualität begreifen.
Hannelore Kraft hat als Ministerpräsidentin die Schirmherrschaft für unseren Landesverbandstag 2016 (26.- 28 August) in Herne übernommen, in dessen Verlauf am Samstag, 27.8. ab 17 Uhr in Herne die Feier zum 60-Jährigen Jubiläum stattfindet.